Zur Zeit geht ja die Meldung durch die Medien, das im Amazonas-Dschungel ein Indianerstamm ohne jeglichen Kontakt zur sog. "Zivilisation"
entdeckt worden ist. Sehr viele Menschen sind der Ansicht, dass man diese Leute einfach in Ruhe lassen und ihr Leben weiterleben lassen soll. Dann gibt es auch
Stimmen, die das für Bevormundung halten, und den Ureinwohnern durchaus eine Chance geben wollen, an den Segnungen der modernen Welt wie z.B. der modernen Medizin teilhaben zu lassen.
Unabhängig davon halte ich vor allem die Frage für spannend, ob man nicht versuchen sollte, mit diesen Ureinwohnern Kontakt aufzunehmen. Wie man das am besten anstellt, hängt ein wenig davon ab, wieviel die Ureinwohner tatsächlich über unsere Welt wissen. Ich gehe im Folgenden davon aus, dass sie nur den Hubschrauber kennen, vielleicht schon einmal ein paar Kondensstreifen von Flugzeugen am Himmel gesehen haben und vor der Abholzung des Regenwalds geflohen sind, ohne aber mit Menschen von außen Kontakt gehabt zu haben.
Wegen des Krankheitsübertragungsrisikos, und weil die Ureinwohner selbst ja auch aggressiv zu reagieren scheinen, würde ich tatsächlich erst einmal keinen Menschen direkt dorthin schicken. Außerdem besteht noch das Problem, das vermutlich nichts über die Sprache bekannt ist. Meine erste Idee wäre also, vom Hubschrauber Tafeln mit einfachen Bildmotiven abzuwerfen, fast ähnlich zu denen, die an der Raumsonde
Pioneer 10 als Botschaft an Außerirdische angebracht waren. Es ist wirklich das Ähnlichste zur Kontaktaufnahme mit Außerirdischen, das man auf der Erde bekommen kann. Dann müsste man eine Möglichkeit schaffen, Antworten zu hinterlassen, vielleicht leere Bildtafeln zum Ausmalen oder ein einfaches Tonaufnahmegerät, zusammen mit bildlichen Anweisungen, diese Gegenstände wieder in eine Kiste zu packen, die vom Hubschrauber dann wieder aufgenommen wird. Erstes Ziel wäre, etwas über ihre Sprache in Erfahrung zu bringen, ihnen aber auch einige Dutzend Wörter des Portugiesischen oder Englischen beizubringen. Das Fernziel wäre gar nicht mal unbedingt eine Integration in die "Zivilisation", sondern ein "Dialog" (so abgedroschen das jetzt klingt). Gegenüber diesen Ureinwohnern könnte die Menschheit (fast) als Ganzes auftreten, fast wie gegenüber einer außerirdischen Zivilisation (und vielleicht auch als Vorbereitung darauf?) eventuell könnten ja auch Angehörige anderer Stämme aus der Region als "Botschafter" wirken.
Das erscheint mir als ein guter Kompromiss zwischen "Als Tiere ansehen und ausrotten" (wie in der Kolonialzeit häufig geschehen) und "Als Tiere ansehen und ignorieren" (durch die oben erwähnte Art der Bevormundung)
31. Mai, 13:33